Israel Jerusalem 1969
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Fotos: Hellmut Münzner / Fotoarchiv Gade
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1969. aus Diaserie: Jerusalem
© Thomas Gade
1969 reiste Hellmut Münzner erneut nach Israel und besuchte Jerusalem. Die Stadt wurde damals von verschiedenen Gruppen auf sehr unterschiedliche Weise wahrgenommen.
Zwischen 1948 und 1967 war Ostjerusalem für Israelis nicht zugänglich und auch für ausländische Besucher nur unter bestimmten Bedingungen erreichbar. Nach dem Krieg von 1948 wurde die Stadt entlang der sogenannten Grünen Linie geteilt: Westjerusalem stand unter israelischer Kontrolle, Ostjerusalem mit der gesamten Altstadt unter jordanischer Verwaltung. Diese Grenze war keine durchlässige Stadtgrenze, sondern eine militärisch gesicherte Frontlinie mit Stacheldraht, Minenfeldern und Scharfschützenposten. Israelische Staatsbürger konnten Ostjerusalem überhaupt nicht betreten. Der Zugang zur Klagemauer, zum jüdischen Viertel oder zum Tempelberg war ihnen vollständig verwehrt.
Ausländische Touristen konnten Ostjerusalem zwar besuchen, jedoch nur über Jordanien. Wer die Altstadt sehen wollte, musste über Amman einreisen und durfte anschließend nicht nach Israel weiterreisen. Umgekehrt galt dasselbe: Wer zunächst Israel besucht hatte, konnte nicht nach Jordanien einreisen. Eine Reise, die beide Teile Jerusalems einschloss, war daher praktisch unmöglich. Viele christliche Besucher entschieden sich deshalb für die jordanische Seite, da sich dort die wichtigsten heiligen Stätten befanden.
Für die palästinensischen Bewohner Ostjerusalems war die Stadt in dieser Zeit Teil Jordaniens. Sie konnten sich innerhalb des jordanischen Staatsgebiets frei bewegen, jedoch nicht nach Westjerusalem oder in israelisch kontrollierte Gebiete reisen. Die Teilung der Stadt war damit nicht nur politisch, sondern auch im Alltag spürbar: Familien wurden getrennt, Wege abgeschnitten, und die Stadt funktionierte wie zwei weitgehend getrennte Welten, die sich kaum berührten. Hier lassen sich Parallelen zur Teilung Berlins zwischen 1961 und 1989 erkennen.
Sechstagekrieg
Der Sechstagekrieg fand vom 5. bis 10. Juni 1967 statt. Seine unmittelbare Vorgeschichte spielte sich im Mai 1967 ab: Ägypten verlegte große Truppenverbände auf die Sinai-Halbinsel, forderte den Abzug der dort stationierten UN-Friedenstruppen und blockierte schließlich die Straße von Tiran – Israels einzigen Zugang zum Roten Meer. Diese Blockade galt in Israel seit den 1950er Jahren als casus belli, also als Kriegsgrund. Gleichzeitig schlossen Ägypten und Jordanien ein Militärbündnis, dem sich auch der Irak anschloss, während es an der syrisch-israelischen Grenze bereits zuvor zu Gefechten gekommen war.
Vor diesem Hintergrund entschied sich Israel am 5. Juni 1967 zu einem präventiven Luftangriff auf ägyptische Flugplätze. Dieser Erstschlag zerstörte einen Großteil der ägyptischen Luftwaffe am Boden und leitete die weiteren Kampfhandlungen ein. Aus israelischer Sicht war dieser Angriff eine notwendige Reaktion auf eine akute Bedrohungslage. Aus arabischer Sicht handelte es sich hingegen um einen Angriffskrieg, da Israel militärisch zuerst agierte.
Historisch werden Beginn und Ursachen des Krieges unterschiedlich bewertet: Die einen betonen die unmittelbare Bedrohung Israels durch die ägyptischen Maßnahmen, die anderen sehen im israelischen Erstschlag den entscheidenden Auslöser. Unstrittig ist jedoch, dass die Eskalation nicht plötzlich erfolgte, sondern das Ergebnis einer sich über Wochen verschärfenden Krise war.
Folgen für Jerusalem
1967 eroberte Israel im Sechstagekrieg Ostjerusalem, hob die innerstädtische Grenze auf und öffnete die Altstadt für israelische Besucher und internationale Touristen gleichermaßen. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten konnten Menschen wieder zwischen Ost und West wechseln – allerdings unter neuen politischen Vorzeichen, die bis in die Gegenwart nachwirken.
Für europäische Besucher wirkte die Stadt wie ein Ort, an dem sich Jahrtausende überlagern: Die engen Gassen der Altstadt, die religiösen Stätten und die Mischung aus arabischem Alltag und israelischer Moderne verbanden sich mit sichtbarer Militärpräsenz und politischer Unsicherheit. Die „Wiedervereinigung“ Jerusalems lag erst zwei Jahre zurück – und das war überall spürbar.
Für jüdisch-israelische Einwohner bedeutete die Einnahme Ostjerusalems 1967 die Erfüllung eines nationalen Traums, insbesondere durch den freien Zugang zur Klagemauer. Israel begann, die Stadtteile administrativ und infrastrukturell zusammenzuführen. So sehr viele jüdische Einwohner dies begrüßten, war zugleich klar, dass die arabische Bevölkerung andere Empfindungen hatte.
Für palästinensische Bewohner bedeutete die neue Lage einen abrupten Wechsel von jordanischer zu israelischer Kontrolle – ohne Mitsprache und ohne klare politische Perspektive. Viele empfanden die Situation als Besatzung, die ihren Alltag, ihre Bewegungsfreiheit und ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten einschränkte.
In den arabischen Nachbarstaaten wurde Jerusalem ab 1967 zum Symbol einer kollektiven Niederlage. Dies prägte die politische und gesellschaftliche Stimmung in Ländern wie Jordanien, Ägypten und Syrien. Die Kontrolle Israels über den Haram al-Sharif wurde als besonders schmerzhaft empfunden, und Jerusalem entwickelte sich zu einem zentralen Symbol arabischer Solidarität – als Ausdruck dessen, was man zurückgewinnen wollte.
1969 – zur Zeit des Besuchs von Hellmut Münzner – war die Aufhebung der Teilung Jerusalems noch relativ frisch. Er nutzte die neue Situation, um die Stadt mit seiner Kamera zu erkunden.
1979 folgte eine weitere Reise Münzners nach Jerusalem.
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