Fotoarchiv Gade

Pollensäcke an junger Cannabispflanze

Text und Fotos © Thomas Gade


Im September entdeckte ich in einem Blumenkübel auf dem Balkon – in dem eigentlich eine Tabakpflanze ihre Wurzeln ausgebreitet hatte – eine kleine, zusätzliche Cannabispflanze. Wie sie dorthin kam? Keine Ahnung. Aber ich grub sie aus, setzte sie in einen eigenen Topf und stellte sie auf die Fensterbank. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sie sich recht gut, obwohl die Tage immer kürzer wurden. Da mein Balkon nach Westen ausgerichtet ist, kommt die Sonne ohnehin erst am frühen Nachmittag um die Ecke – sofern der Himmel überhaupt wolkenfrei ist.

Anfang Oktober hatte ich bereits die meisten Blumentöpfe in den Keller gebracht und die verdorrten Reste aus dem Kübel entfernt, sodass von der üppigen Sommervegetation nicht mehr viel übrig war. Das hat zwei Vorteile: Einerseits lässt sich der Balkon wieder leichter betreten, andererseits schätze ich die Pflanzen im Sommer ohnehin primär als Schattenspender. Wenn die Sonne an warmen Tagen vom Nachmittag bis in den späten Abend den Balkon aufheizt, wäre es dort ohne Schatten viel zu heiß. Zudem verringern die Pflanzen die direkte Sonneneinstrahlung auf die Hauswand, wodurch auch der Raum dahinter spürbar kühler bleibt. Von Oktober bis März hingegen möchte ich natürlich möglichst viel Licht in der Wohnung haben, und von der sommerlichen Wärme ist dann ohnehin nichts mehr zu spüren.


Frühe Pollensäcke an der jungen männlichen Pflanze.

Die Cannabispflanze stand derweil immer noch auf der Fensterbank. Trotz einiger windiger Tage hatte sie der Witterung getrotzt und wirkte erstaunlich kräftig. Was sollte also mit ihr geschehen? In meiner Speisekammer habe ich eine Abstellfläche für drei Aloe-Vera-Pflanzen, die dort überwintern. Beleuchtet werden sie von einer Pflanzenlampe, die täglich für etwa eine Stunde läuft, um das spärliche Tageslicht zu ergänzen. Sollte die Cannabispflanze dort mit einziehen? Ginge das überhaupt? Damit sie nicht zu hoch wuchs, schnitt ich kurzerhand die Spitze ab, woraufhin sie zwei seitliche Triebe entwickelte.

So richtig überzeugt war ich von der Idee allerdings nicht – es schien nur eine weitere Verpflichtung zu sein. Beim nächsten genaueren Hinsehen erübrigte sich das Problem jedoch von selbst. Die Pflanze hatte bereits die typischen Pollensäcke einer männlichen Cannabispflanze entwickelt. Als Allergiker hatte ich absolut keine Lust, mir auf diese Weise Blütenstaub in die Wohnung zu holen. Da eine männliche Pflanze zudem für eine spätere Verwertung völlig nutzlos ist, fiel die Entscheidung leicht. Die Pflanze flog raus.