Suse Groesel (1921 - 1997)

1940. Suse Groesel mit Fotoapparat. Foto coloriert.
Suse Groesel (1921 - 1997). Ihre Bilder aus der Zeit des Nationalsozialismus gelangten um 2005 in das Fotoarchiv Gade. Die Aufnahmen und deutschsprachigen Aufzeichnungen ließen erkennen, dass die Fotografin anfangs noch eine Schülerin an einer Schule in den Niederlanden war. Mehr war zunächst nicht zu ermitteln, obwohl die Fotografin ausführliche Listen zu ihren Bildern erstellte, die gemeinsam mit den Negativen abgeheftet waren. 2025 entdeckte ihr Enkel diese Bilder auf dieser Website und konnte die Fotografin identifizieren: Suse Groesel
1938
| 01 | Österreich Inntal |
| 02 | Österreich |
| 03 | Österreich |
| 04 | Stuttgart |
| 05 | Stuttgart |
| 06 | Österreich Salzburg |
| 07 | Österreich Salzburg |
| 08 | Niederlande |
| 09 | Niederlande |
Suse Groesel (später verheiratete Sell, später verheiratete Paglusch), 1921 geboren in Amsterdam, verstorben 1997 (?) in Mülheim an der Ruhr.
Suse Groesel war die Tochter des Bankiers Fritz Groesel und seiner Frau Grete Groesel-Weinstein. Ihre Eltern und ältere Schwester zogen 1919 nach Amsterdam, wo ihr Vater in der Zweigniederlassung der Bank Mendelssohn & Co. arbeitete. Die Bank war 1795 von Joseph Mendelssohn gegründet worden, hatte ihren Hauptsitz in Berlin und gehörte zu den führenden Banken Preußens und Deutschlands. Ab den 1850er Jahren pflegte sie enge Beziehungen zum russischen Zarenhof und dominierte den mitteleuropäischen Markt für russische Staats- und Eisenbahnanleihen. Diese Verbindungen endeten jedoch mit dem Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution.
Während der NS-Zeit wurde die Bank 1938 im Rahmen der sogenannten "Arisierung" gezwungen, ihre Vermögenswerte an die Deutsche Bank zu übertragen. Die jüdischen Teilhaber, darunter Fritz Mannheimer, mussten ihre Anteile aufgeben, und die Bank wurde liquidiert. Das Hauptgebäude der Bank befand sich in der Jägerstraße 49–50 in Berlin und ist heute ein denkmalgeschütztes Bauwerk. Die Niederlassung in Amsterdam wurde von Fritz Mannheimer geleitet und war auf Anleihegeschäfte und Börsenhandel spezialisiert. Fritz Groesel leitete dort die Anleihe-Abteilung.
Suse hatte zwei Schwestern: Carla, ihre ältere Halbschwester, und Brigitte, ihre jüngere Schwester (*1925, †2017 in der Nähe von Wiesloch). Ihre Kindheit und Schulzeit in Amsterdam wurden von den beruflichen und gesellschaftlichen Aktivitäten ihres Vaters geprägt, wie im Entnazifizierungsbogen von Fritz Groesel detailliert beschrieben.
Während ihrer Jugend entwickelte Suse eine Leidenschaft für Schauspiel und Tanz. Ihre berufliche Laufbahn als Tänzerin endete nach dem 2. Weltkrieg jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme. Sie widmete sich stattdessen dem Unterrichten. Auch ihr Ehemann Wolfgang Sell, Künstler und Hornist, konnte nach dem Krieg seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter ausüben.
Suses Kriegstagebuch, das im Nachlass ihrer Tochter gefunden wurde, beschreibt die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf ihre Familie. Der im Tagebuch erwähnte "Wolf" war Wolfgang Sell, der zu dieser Zeit als Soldat der Wehrmacht in Westeuropa diente.
1939
Nationalsozialismus
Suse Groesel kam erst nach ihrem Schulbesuch in den Niederlanden mit nationalsozialistischen Organisationen in Berührung. Die 1936 im Deutschen Reich eingeführte Pflichtmitgliedschaft für weibliche Jugendliche betraf sie aufgrund ihres Wohnortes außerhalb des Reichsgebietes nicht, sodass ihr der Jungmädelbund (JM) erspart blieb. Nach ihrem Abitur im Jahr 1939 zog sie nach Deutschland. Aufgrund ihres Alters (18 Jahre) kam für sie der reguläre Bund Deutscher Mädel (BDM) kaum mehr infrage. Stattdessen trat sie, wie die Abkürzung RAD in ihren Aufzeichnungen belegt, den Dienst im Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RADwJ) an. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden diese „Arbeitsmaiden“ verstärkt zur Unterstützung der Kriegswirtschaft herangezogen. In den Jahren 1940 und 1941 war Suse Groesel so mehrfach bei der Kartoffelernte in Österreich eingesetzt.Fotografien aus dieser Zeit dokumentieren ihre Teilnahme an organisierten Aufenthalten in Zeltlagern und Berghütten. Einige Bilder zeigen sie und die anderen jungen Frauen in der offiziellen „Kluft“ des RADwJ – einer Uniform u.a. bestehend aus Hut, weißer Bluse und einer braunen Oberjacke. Im Rahmen eines dieser Lageraufenthalte kam es auch zu einer Begegnung mit Baldur von Schirach. Als Reichsjugendführer und ab 1940 amtierender Gauleiter von Wien besuchte er regelmäßig solche Ernteeinsätze und Arbeitslager in der Region, um die dort eingesetzte Jugend im Sinne der NS-Propaganda zu repräsentieren und anzuspornen.
1940
1941
| 40 | Österreich Kartoffelernte |
| 41 | Ostpreussen |
| 42 | Niederlande Zandvoort |
1942 - 1943
| 43 | 1942 Berlin Delft |
| 44 | 1942 - 1943 |