Suse Groesel (1921 - 1997)
2026 © Thomas Gade / Das Konvolut ist seit 2006 im Fotoarchiv Gade
1940. Suse Groesel mit Fotoapparat und Kleidung vom Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend. Foto coloriert.
Suse Groesel (1921 - 1997). Ihre Bilder aus der Zeit des Nationalsozialismus gelangten um 2005 in das Fotoarchiv Gade. Die Aufnahmen und deutschsprachigen Aufzeichnungen ließen erkennen, dass die Fotografin anfangs noch eine Schülerin an einer Schule in den Niederlanden war. Mehr war zunächst nicht zu ermitteln, obwohl die Fotografin ausführliche Listen zu ihren Bildern erstellte, die gemeinsam mit den Negativen abgeheftet waren. 2025 entdeckte ihr Enkel diese Bilder auf dieser Website und konnte die Fotografin identifizieren: Suse Groesel
1938
| 01 | Österreich Inntal |
| 02 | Österreich |
| 03 | Österreich |
| 04 | Stuttgart |
| 05 | Stuttgart |
| 06 | Österreich Salzburg |
| 07 | Österreich Salzburg |
| 08 | Niederlande |
| 09 | Niederlande |
Suse Groesel (später verheiratete Sell, später verheiratete Paglusch), 1921 geboren in Amsterdam, verstorben 1997 (?) in Mülheim an der Ruhr.
Suse Groesel war die Tochter des Bankiers Fritz Groesel und seiner Frau Grete Groesel-Weinstein. Ihre Eltern und ältere Schwester zogen 1919 nach Amsterdam, wo ihr Vater in der Zweigniederlassung der Bank Mendelssohn & Co. arbeitete. Die Bank war 1795 von Joseph Mendelssohn gegründet worden, hatte ihren Hauptsitz in Berlin und gehörte zu den führenden Banken Preußens und Deutschlands. Ab den 1850er Jahren pflegte sie enge Beziehungen zum russischen Zarenhof und dominierte den mitteleuropäischen Markt für russische Staats- und Eisenbahnanleihen. Diese Verbindungen endeten jedoch mit dem Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution.
Während der NS-Zeit wurde die Bank 1938 im Rahmen der sogenannten "Arisierung" gezwungen, ihre Vermögenswerte an die Deutsche Bank zu übertragen. Die jüdischen Teilhaber, darunter Fritz Mannheimer, mussten ihre Anteile aufgeben, und die Bank wurde liquidiert. Das Hauptgebäude der Bank befand sich in der Jägerstraße 49–50 in Berlin und ist heute ein denkmalgeschütztes Bauwerk. Die Niederlassung in Amsterdam wurde von Fritz Mannheimer geleitet und war auf Anleihegeschäfte und Börsenhandel spezialisiert. Fritz Groesel leitete dort die Anleihe-Abteilung.
Suse hatte zwei Schwestern: Carla, ihre ältere Halbschwester, und Brigitte, ihre jüngere Schwester (*1925, †2017 in der Nähe von Wiesloch). Ihre Kindheit und Schulzeit in Amsterdam wurden von den beruflichen und gesellschaftlichen Aktivitäten ihres Vaters geprägt, wie im Entnazifizierungsbogen von Fritz Groesel detailliert beschrieben.
Während ihrer Jugend entwickelte Suse eine Leidenschaft für Schauspiel und Tanz. Ihre berufliche Laufbahn als Tänzerin endete nach dem 2. Weltkrieg jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme. Sie widmete sich stattdessen dem Unterrichten. Auch ihr Ehemann Wolfgang Sell, Künstler und Hornist, konnte nach dem Krieg seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter ausüben.
Suses Kriegstagebuch, das im Nachlass ihrer Tochter gefunden wurde, beschreibt die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf ihre Familie. Der im Tagebuch erwähnte "Wolf" war Wolfgang Sell, der zu dieser Zeit als Soldat der Wehrmacht in Westeuropa diente.

Negativalbum von Suse Groesel. Die Pergaminhüllen sind inzwischen brüchig und bräunlich geworden.
1939
Nationalsozialismus
Suse Groesel verbrachte ihre Kindheit in den Niederlanden. Dort beendete sie 1939 die Schulzeit mit dem Abitur. Schon vorher kam sie über die NSDAP-Auslandsorganisation (AO) mit nationalsozialistischen Jugendorganisationen in Berührung. Die AO war in deutschen Communities im Ausland weltweit aktiv und beanspruchte, nichtjüdische Kinder mit Reichsdeutscher Staatsangehörigkeit weltanschaulich zu beeinflussen. In einigen Ländern wurde die AO verboten, in anderen wiederum geduldet. Das Deutsche Reich übte sowohl in den Ländern als auch innerhalb der dort lebenden Deutschen Gemeinschaften Druck aus, um die Akzeptanz der AO der NSDAP zu erwirken.
1940. Suse Greosel im Dirndl mit Kamera, wahrscheinlich eine Zeiss Ikon Baby Ikonta (520/18)
Einige Fotos von Suse Groesel aus dem Jahr 1938 dokumentieren ihre Teilnahme am „Tag der auslandsdeutschen Jugend“ während der VI. Reichstagung der Auslandsdeutschen in Stuttgart (26. August bis 4. September).
Nach ihrem Abitur kam sie 1939 zum Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RADwJ). Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs (1. September 1939) wurden diese „Arbeitsmaiden“ verstärkt zur Unterstützung der Kriegswirtschaft herangezogen. In den Jahren 1940 und 1941 wurde Suse Groesel mehrfach bei der Kartoffelernte in Österreich eingesetzt.

Negativalbum von Suse Groesel. 127 Rollfilm mit Bildern im Format 3 x 4 cm
1940

Zu jedem Bild notierte Suse Groesel eine kurze Information in handschriftlichen Listen. Deshalb sind Datum und Orte meistens nachvollziehbar.
1941
| 40 | Österreich Kartoffelernte |
| 41 | Ostpreussen |
| 42 | Niederlande Zandvoort |
1942 - 1943
| 43 | 1942 Berlin Delft |
| 44 | 1942 - 1943 |