Fotoarchiv Gade

Hildegard Kitzing

© Text: Thomas Gade



Hildegard Charlotte Kitzing (1912 in Berlin – 1997) gehörte zur Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Von 1919 bis 1927 besuchte sie die Volksschule in Hennersdorf in Schlesien – einem Namen, den damals mehrere Orte in der Region trugen, sodass der genaue Ort nicht mehr bestimmbar ist.

Im Jahr 1939 wurde sie Schwesternhelferin beim DRK. Durch den 2. Weltkrieg bestand ein hoher Bedarf an der Pflege Kranker. Am 18. Dezember 1944 bestand sie in Berlin ihr Großes Krankenpflegeexamen. Zu diesem Anlass wurde ihr das Buch „Das Deutsche Rote Kreuz“ von F. Grüneisen (Ausgabe 1939) überreicht. Es enthält eine persönliche Widmung ihrer Oberin: „Ihnen, liebe Schwester Hildegard zur Erinnerung an Ihre Lernzeit mit herzlichen Wünschen für eine gute Zukunft von Ihrer Oberin Cläre Port, 18. 12. 1944“

Damals war sie bereits 32 Jahre alt. Das betreffende Buch ist in ihrem Nachlass erhalten geblieben. Wahrscheinlich hat sie es jedoch nie gelesen: Es weist keinerlei Knicke im Buchrücken oder Eselsohren auf. Weniger als fünf Monate nach ihrer Prüfung kapitulierte das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg endete in Europa.

Im Fernen Osten wurde Korea im Jahr 1945 von der japanischen Besatzung befreit. Ähnlich wie Deutschland wurde auch Korea in Besatzungszonen aufgeteilt: Der Norden unterstand der Sowjetunion, während der südliche Teil von den Vereinigten Staaten von Amerika verwaltet wurde.

Zwischen 1950 und 1953 eskalierte der Konflikt im Koreakrieg. Nordkorea wurde dabei von der Sowjetunion und vor allem von der Volksrepublik China unterstützt, während eine UN-Koalition unter Führung der USA Südkorea beistand. Nach dem Waffenstillstandsabkommen von 1953 scheiterten alle Bemühungen um eine Wiedervereinigung; das Land blieb dauerhaft geteilt.

Ebenfalls im Jahr 1953 reiste Bundeskanzler Konrad Adenauer erstmals in die USA. Als bundesdeutscher Beitrag zu den humanitären Bemühungen der UN-Truppen in Korea wurde eine medizinische Mission vereinbart. Das Deutsche Rote Kreuz verschiffte noch im selben Jahr die gesamte Einrichtung für ein Rotkreuzhospital nach Busan (Pusan). Dieses Krankenhaus wurde von 1954 bis 1959 von deutschen Ärzten und Krankenschwestern betrieben.

Dorthin wurde schließlich auch Hildegard Kitzing entsandt. Sie trat ihre Reise im Jahr 1958 an – im Alter von 46 Jahren und somit als erfahrene Krankenpflegerin. Von ihren Reisen per Flugzeug und Schiff durch verschiedene Länder zeugen bis heute Dokumente und Visastempel in ihrem Reisepass. Unterwegs hielt sie ihre Eindrücke selbst fotografisch fest. In ihrem Nachlass befinden sich zudem Fotos, die vermutlich von Kolleginnen oder Kollegen aufgenommen wurden; einige dieser Motive lassen sich auch im historischen Archiv des Deutschen Roten Kreuzes wiederfinden.

Das von 1954 bis 1959 betriebene deutsche Lazarett in Pusan war logistisch einem amerikanischen Stützpunkt unterstellt. Die Stadt war nach dem Krieg völlig überlaufen und voller Flüchtlinge. Das Hospital selbst war provisorisch in einer ehemaligen Mädchenschule untergebracht. Zum Ende der Mission im Jahr 1959 geriet die Einrichtung jedoch auch in die Kritik. Es wurden schwere Vorwürfe gegen einen dortigen Arzt laut, der Patienten geschlagen haben soll. Zudem wurden die mangelhaften hygienischen Zustände bemängelt – Pusan besaß damals keine ausreichende Kanalisation, und die völlig überfüllte Stadt litt unter einer massiven Rattenplage. Im Nachlass von Hildegard Kitzing befinden sich Zeitungsausschnitte mit Berichten über die Vorwürfe.

Ihre Erlebnisse dokumentierte sie auf farbigen Diafilmen. Auch in den 1960er-Jahren blieb sie reiselustig und besuchte unter anderem Marokko, Norwegen, Portugal und die Türkei.

Fernost Asien


Korea. Um 1958. DRK-Krankenschwestern

Hongkong 1959

Japan 1958

Korea 1958 Rotes Kreuz

Korea 1959 Fotoalbum

Korea 1958 UN-Memorial

Afrika


Ägypten 1959

Marokko 1966

Europa

Diverse 1958-1966
Bonn, Spanien, Gibraltar, Frankreich


Norwegen 1967

Portugal 1966

Türkei 1969




Bildbeschreibungen für gerahmte Dias in Magazinen von Hildegard Kitzing. Aufgrund ihrer Notizen lassen sich die Motive relativ gut bestimmen.

Visastempel im Reisepass


Dokumentation zur Fernostreise von DRK-Schwester Hildegard Kitzing (Herbst 1958 – Frühjahr 1959)

Die bürokratischen Vorbereitungen für den humanitären Auslandseinsatz von Hildegard Kitzing begannen im September 1958 im Rheinland. Das notwendige Visum für die Republik Korea (Südkorea) wurde am 12. September 1958 vom Generalkonsulat in Köln ausgestellt. Da Südkorea zu diesem Zeitpunkt noch keine vollwertige Botschaft in der damaligen Bundeshauptstadt unterhielt, wurde das Dokument zusätzlich mit zwei Rundstempeln der übergeordneten Gesandtschaft (Legation) in Bonn beglaubigt – nur wenige Wochen bevor diese zur Botschaft aufgewertet wurde.



Ihre eigentliche Route im September 1958 spiegelt die geopolitischen Realitäten des Kalten Krieges wider. Da der sowjetische Luftraum für westliche Fluggesellschaften gesperrt war, war eine direkte Überfliegung Sibiriens unmöglich. Westliche Reisende mussten stattdessen die damals brandneue Polarroute der Fluggesellschaft SAS (Scandinavian Airlines) nutzen. Stempel vom 27. September 1958 aus Kastrup in Dänemark und Anchorage in Alaska markieren die erste Etappe ihrer langen Reise. Da sie nach Westen flog, holte sie die Zeitverschiebung ein, sodass beide Stempel dasselbe Datum tragen.

Am 29. September 1958 landete das Flugzeug nach dem Weiterflug auf dem zivilen Hauptflughafen Tokio-Haneda. Der scheinbare Sprung im Kalender vom 27. auf den 29. September erklärt sich durch die Überfliegung der internationalen Datumsgrenze auf dem Weg von Alaska nach Japan, bei der ein Kalendertag übersprungen wird. Die japanischen Grenzbeamten setzten ihr in Hanedo den Einreisestempel für Japan in den Pass.

Da das DRK-Lazarett in Busan logistisch dem amerikanischen Stützpunkt unterstellt war, verlief die letzte Etappe über militärische Kanäle. Von der US-Militärbasis Tachikawa Air Base westlich von Tokio reiste sie am Folgetag mit einer Transportmaschine der US Air Force nach Südkorea. Die Ausreise aus Japan ist mit einem Stempel aus Tachikawa vom 30. September 1958 dokumentiert.


Nach dem Ende ihres humanitären Einsatzes in Korea erfolgte die Rückreise im Frühjahr 1959. Am 5. März 1959 flog sie zunächst über die Militärbasis Tachikawa nach Japan zurück, wo sie knapp vier Wochen verblieb. Am 2. April 1959 ging sie im Hafen von Kobe an Bord eines Passagierschiffs Richtung Europa. Die mehrwöchige Seereise führte sie über Hongkong (Stempel vom 7. April 1959) und durch den Indischen Ozean bis nach Ägypten, wo ihr Pass am 27. April 1959 in Alexandrien nach der  Passage des Suezkanals gestempelt wurde. Ihr wurde damit ein Landgang während der Liegezeit des Schiffs im Hafen erlaubt. Sie nutzte die Gelegenheit für eine Fahrt nach Kairo bevor das Schiff die letzte Etappe nach Deutschland antrat.